Kommmitmensch

Präventionskampagne “Kultur der Prävention“

Im Rahmen der weltgrößten Arbeitsschutzmesse, der A+A 2017 in Düsseldorf wurde die neue Präventionskampagne unseres Spitzenverbandes der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV) und der ihr angeschlossenen Berufsgenossenschaften und Unfallkassen offiziell gestartet. Vor über 400 Gästen wurde von Vertretern aus Politik und gesetzlicher Unfallversicherung auf eindrucksvolle Weise die Konzeption der Kampagne und ihre gesellschaftliche Bedeutung veranschaulicht. Um dem Ziel der Vision Zero, einer Welt ohne Arbeitsunfälle und arbeitsbedingte Erkrankungen, weiter näher zu kommen, brauchen wir deshalb einen ganzheitlichen Ansatz: kommmitmensch soll Unternehmen und Bildungseinrichtungen dabei unterstützen, eine Präventionskultur zu entwickeln, in der Sicherheit und Gesundheit Grundlage allen Handelns sind.

Beweggründe und Herausforderungen

Schaut man sich die Statistiken über das Unfallgeschehen der letzten Jahrzehnte bis heute an, so befinden wir uns jetzt nach erfolgreichen Jahren der deutlichen Unfallreduzierung auf einem nur noch flach abfallenden Plateau. Um die Anzahl der Arbeitsunfälle dennoch weiterhin zu minimieren, bedarf es wohl weitgehenderer Ansätze der Prävention.

Zudem verlangen die „Arbeitswelt 4.0“ und „Industrie 4.0“ ein neues Denken und Handeln von allen, die vorausschauend über Gefährdungen bei der Arbeit aufklären sowie vor Unfällen und Erkrankungen schützen wollen. Die Chancen und Herausforderungen für die Prävention sind ganzheitlich und interdisziplinär zu betrachten.

Ein weiterer Aspekt ist das verstärkte Zutagetreten psychischer Belastungen als Anlass für krankheitsbedingte Ausfalltage oder für Unfälle. Bei all diesen Themen stehen die Berufsgenossenschaften und Unfallkassen in der Pflicht ihres Präventionsauftrages.

Um diesen Herausforderungen zu begegnen, hat man sich für eine ganzheitliche Präventionskampagne entschieden, welche die selbstverständliche Integration des Arbeitsschutzes in alle betriebliche Abläufe zum Ziel hat. Folgerichtig haben Berufsgenossenschaften und Unfallkassen ihre nächste Kampagne der Kultur der Prävention gewidmet, die sie mit einer Laufzeit von 10 Jahren veranschlagt haben. Die Kampagne wird Unternehmen, öffentliche Einrichtungen und Bildungseinrichtungen verstärkt dabei unterstützen, ein fundiertes und umfassendes Präventionsverständnis zu entwickeln. Sie spannt den Bogen jedoch über das betriebliche Umfeld hinaus: Die Kampagne thematisiert Sicherheit und Gesundheit als grundlegende Werte in allen Lebensbereichen. Ihre Kernbotschaft lautet: „Sicherheit und Gesundheit sind Werte für alle Menschen, jede Organisation und die Gesellschaft. Sie sollen Gegenstand allen Handelns werden. Präventives Handeln ist lohnend und sinnstiftend.“ Die Kommunikationsmaßnahmen der Kampagne setzen zunächst dort an, wo Menschen lernen und arbeiten, weil hier Netzwerke der Unfallkassen und Berufsgenossenschaften bestehen.

Die inhaltliche Umsetzung der Kampagne basiert auf einem Fachkonzept, das von den Berufsgenossenschaften, Unfallkassen und der DGUV entwickelt wurde. Dabei wurden sechs Handlungsfelder identifiziert, die besonderen Einfluss auf eine Kultur der Prävention in Organisationen haben und die den eher abstrakten Begriff „Präventionskultur“ auf die betriebliche Realität herunterbrechen und handhabbar machen. Die Handlungsfelder sind eng miteinander verknüpft. Ein Beispiel: So wie sich gute Führung immer der Kommunikation bedient, gehört zu einem guten Betriebsklima immer die Beteiligung der Beschäftigten.

Slogan kommmitmensch

Um das Konzept der Kampagne auffordernd und motivierend an die Zielgruppen Unternehmer, Führungskräfte, Beschäftigte und Schüler heranzutragen, wurde mit dem Slogan kommmitmensch –SICHER, GESUND. MITEINANDER. ein passendes Kommunikationskonzept entwickelt. Die Kampagne lädt die Menschen auf eine Reise ein, in der es um den Wert von Sicherheit und Gesundheit im eigenen Handlungsrahmen geht. Beispiele und Handlungshilfen greifen den beruflichen oder schulischen Alltag auf und holen die Menschen dort ab, wo sie konkret mit Sicherheit und Gesundheit zu tun haben – auch wenn sie dies erst auf den zweiten Blick erkennen. Um die Kampagne in die Breite zu streuen, soll in hohem Maße auf die Möglichkeiten des Internets und der sozialen Medien zurückgegriffen werden. Gehen Sie auf die Seite kommmitmensch.de und lassen Sie sich von den vielfältigen und medialen Angeboten inspirieren.

kommmit – denkmit – machmit

Aus unserer langjährigen Präventionspraxis wissen wir, dass viele unserer Mitgliedsbetriebe schon positive Ansätze in der Prävention etabliert haben und diese ständig weiterentwickeln. Andere sind weniger gut aufgestellt und haben Sicherheit und Gesundheit noch nicht als wirkliches Handlungsfeld für sich erschlossen. Genau da kann der kommmitmensch ansetzen. Er wird wichtige Impulse geben, Bewusstsein schaffen, Informationen vermitteln und die passenden Hilfestellungen anbieten, damit sich möglichst viele Unternehmen und Einrichtungen Sicherheit und Gesundheit als zentrale Werte zu eigen machen und entsprechend handeln. 

Neben der Information über die Kampagne bei unseren Mitgliefsbetrieben sind wir weiterhin auf der Suche nach Pilotbetrieben aus unseren unterschiedlichen Zuständigkeitsbereichen, die sich an die Umsetzung der Kampagne als Erste herantrauen wollen. Denn neben einem hohen Maß an Rechtssicherheit wird mit der Kampagne auch der Weg bereitet, den Anteil an gesunden, motivierten und leistungsbereiten Mitarbeitern deutlich zu erhöhen. Dies alles funktioniert, wie eigentlich immer, nur dann, wenn das von oben her gewollt und mitgetragen wird.

Die sechs Handlungsfelder der Präventionskultur
Die Arbeit in sechs Handlungsfeldern trägt dazu bei, dass Sicherheit und Gesundheit in Betrieben, öffentlichen Einrichtungen und Bildungseinrichtungen für Führungskräfte und Beschäftigte selbstverständlich werden:

I. Führung
Die Unternehmensleitung ist ein entscheidender Impulsgeber für die Botschaft, dass Sicherheit und Gesundheit zentrale Themen im Betrieb sind. Führungskräfte sind Vorbilder für die Beschäftigten, ihr Verhalten wird übernommen.

II. Kommunikation
Probleme und Ideen zum Thema Sicherheit und Gesundheit sollten Unternehmen regelmäßig und auf Augenhöhe mit allen Beschäftigten besprechen, wichtige Informationen sollten vollständig und gut verständlich bei allen ankommen, die sie betreffen. Denn bereits die Kommunikation über Risiken und Verbesserungspotentiale erhöht das Sicherheits- und Gesundheitsniveau für alle.

III. Beteiligung
Die Beschäftigten kennen ihre eigenen Arbeitsplätze am besten und schätzen es, wenn ihre Meinung und ihre Erfahrungen gefragt sind. Wer ihr Wissen nutzt, indem er sie an wichtigen Entscheidungen zu Sicherheit und Gesundheit beteiligt, kann effektiver und effizienter handeln.

IV. Fehlerkultur
Unternehmen, die Abweichungen und Beinahe-Unfälle systematisch erfassen und zusammen Lösungen erarbeiten, reduzieren Unfallrisiken erheblich. Ereignen sich doch Unfälle und Erkrankungen, sollten diese offen und ohne Schuldzuweisung diskutiert werden, so dass alle für die Zukunft daraus lernen.

V. Betriebsklima
Ein gutes Betriebsklima entsteht durch gegenseitige Wertschätzung, Vertrauen und Fairness und sorgt dafür, dass sich alle Beschäftigten wohl fühlen.

VI. Sicherheit und Gesundheit
Egal, ob es um die Anschaffung einer neuen Maschine geht, um Umstrukturierungen in der Firma oder darum, den Pausenraum umzugestalten – die Sicherheit und die Gesundheit der Beschäftigten sollten bei allen wichtigen betrieblichen Entscheidungen im Blick sein.