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Institut für Prävention und Arbeitsmedizin investiert 2 Millionen Euro in Biobank

Wichtige Ressource für die Erforschung arbeitsmedizinischer Fragestellungen

(© Volker Wiciok / IPA)

Biobanken sind heute wichtiger Bestandteil der medizinischen Forschung. Dies gilt umso mehr für die arbeitsmedizinische Forschung zur Sicherheit und Gesundheit am Arbeitsplatz. Hier haben sich Biobanken in den letzten Jahren zu einem unverzichtbaren Bestandteil für die Präventionsforschung entwickelt. Deshalb investiert die Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung in den kommenden Jahren rund 10 Millionen Euro in den Aufbau der IPA-Biobank.

Biobanken archivieren menschliche Körpermaterialien wie Blut, Urin oder auch Gewebe mit Informationen zu den Spenderinnen und Spendern unter qualitätsgesicherten Grundsätzen. Die neue Biobank des Instituts für Prävention und Arbeitsmedizin der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung, Institut der Ruhr-Universität Bochum (IPA) steht ganz im Dienst der Arbeitsmedizin. Dort werden Proben von beruflich exponierten Personen sowie damit verbundene Daten zur Exposition und Berufsanamnese standardisiert und qualitätsgesichert archiviert. Die Möglichkeit, derartig wertvolles Probenmaterial für die Bearbeitung arbeitsmedizinisch relevanter Fragen bereitstellen zu können, ist eine unerlässliche Ressource für die moderne Präventionsforschung.

2 Millionen Proben lagern bei minus 185 Grad

Aktuell haben die Umbauarbeiten für ein hochmodernes, modulares Kryolager begonnen. Über 2 Millionen Bioproben können hier ab Sommer 2019 bis zu minus 185 Grad Celsius in flüssigem Stickstoff lagern. Bislang wurden am IPA Biomaterialsammlungen im Rahmen von Forschungsprojekten dezentral gelagert und verwaltet. Mit dem neuen System wird dies zukünftig zentral nach modernsten Sicherheits- und Qualitätsstandards erfolgen. Allein in das neue Kryolager werden 2019 rund 2 Millionen Euro investiert. „Die nationale und internationale Bedeutung der IPA-Biobank liegt in ihrem besonderen Fokus auf arbeitsmedizinische Fragestellungen“ so Professor Brüning, Institutsdirektor des IPA. „Denn gerade für die effektive und effiziente Erforschung der Ursachen von arbeitsbedingten Gesundheitsgefahren und berufsbedingten Erkrankungen sind Biobanken unverzichtbar. Wir investieren hier in die Zukunft für Sicherheit und Gesundheit am Arbeitsplatz“, so Brüning.

Datenschutzkonzept international publiziert

Damit für die Wissenschaft wichtige Proben und Daten sicher und auch für zukünftige wissenschaftliche Fragestellungen zur Verfügung stehen, bedarf es eines ausgeklügelten Datenschutzkonzepts. In der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift Biopreservation and Biobanking haben Antje Müller und weitere Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des IPA jetzt ein zweistufiges Datenschutzkonzept für Biobanken mit menschlichen Probensammlungen vorgestellt. „Im Rahmen der nachhaltigen Weiterentwicklung der IPA-Biobank standen wir zum einen vor der großen Herausforderung, eine illegale Zuordnung der Proben zur Identität der Spendenden faktisch unmöglich zu machen. Gleichzeitig soll aber eine Vielzahl von klinischen, medizinischen und berufsbezogenen Daten bereitgestellt werden. Nur so kann die Bedeutung der Probensammlungen für spätere Forschungsfragestellungen und für den zukünftigen Austausch von Daten und Biomaterial mit anderen Biobanken erhalten werden“, führt Antje Müller aus, die das Datenschutzkonzept am IPA mit betreut. „Das Konzept berücksichtigt das Bundesdatenschutzgesetz und erfüllt die Auflagen der seit Mai 2018 in Kraft getretene Datenschutzgrundverordnung (DSGVO)“, so Müller weiter.

„Das Datenschutzkonzept der IPA-Biobank orientiert sich an den anerkannten Leitlinien der Technologie und Methodenplattform für die vernetzte medizinische Forschung e.V. Es sieht unter anderem vor, dass jede Biobank-Probe, egal ob sie aus einem bereits bestehenden Projekt kommt oder neu eingelagert wird, ausschließlich mit reinen Zufallszahlen in Form von Barcodes gekennzeichnet wird. Die zugehörige spendende Person erhält ein biobankeigenes Pseudonym, um ein Auskunftsersuchen jederzeit zu ermöglichen oder ihr eventuelle Zufallsbefunde direkt übermitteln zu können“, führt Prof. Thomas Behrens, Leiter der Biobank des IPA, aus. „Um eine solch komplexe und aufwändige Aufgabe zu bewältigen, müssen rechtliche, medizinische informationelle und organisatorische Kompetenzen gebündelt werden. Mit dem neuen Konzept und der Einrichtung dieses modernen Kryolagers haben wir deutschlandweit eine Landmarke gesetzt, die auch für zukünftige arbeitsmedizinische Forschungsfragen eine optimale Grundlage bietet“, resümiert Behrens.

Originalveröffentlichung

Müller A, Hovanec J, Josephs B, Wiethege T, Brüning T, Behrens T. A two-level biobank data protection concept for project-driven human sample collections. Biopreservation and Biobanking 2019; doi: 10.1089/bio.2018.0112

Fachlicher Ansprechpartner:

Prof. Dr. Thomas Behrens

Institut für Prävention und Arbeitsmedizin

der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung

Institut der Ruhr-Universität Bochum (IPA)

E-Mail: behrens(at)ipa-dguv.de

Das Institut für Prävention und Arbeitsmedizin der DGUV

Das IPA - Institut für Prävention und Arbeitsmedizin der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung ist als Institut der Ruhr-Universität Bochum (RUB) an der Schnittstelle zwischen arbeitsmedizinischer Forschung und der Praxis für den Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz und in Bildungseinrichtungen positioniert. Zum einen ist es daher für die medizinisch-akademische Forschung und Lehre im Fach Arbeitsmedizin der RUB verantwortlich; zum anderen unterstützt das IPA die gewerblichen Berufsgenossenschaften, die Unfallkassen und die Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung (DGUV) bei der Erfüllung ihrer Aufgaben.


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