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Kindergarten-Kids in Bewegung Drucken E-Mail
Donnerstag, 7. Mai 2009

Kindergarten-Kids sollen schon bald im ganzen Saarland in Bewegung gebracht werden. Am Dienstag, dem 5. Mai 2009, erfolgte an der Hermann Neuberger Sportschule der offizielle Startschuss für das Erfolgsmodell, "Kindergarten-Kids in Bewegung - Kooperation Sportverein und Kindergarten", das künftig auf das ganze Saarland ausgedehnt wird.

Neuer Förderer ist die Unfallkasse Saarland.

Interview des Wolfgang Weber, Landessportverband für das Saarland (LSVS) mit Unfallkassen-Geschäftsführer Thomas Meiser

Die Unfallkasse Saarland ist der neue Sponsor und Förderer der jetzt kreisübergreifenden LSVS-Initiative „Kindergarten-Kids in Bewegung". Landesweit werden die kleinen Mädchen und Jungen - in allen fünf Kreisen bisher 3 300 in 67 Kindergärten - in Kooperation mit den Sportvereinen vor Ort jetzt Gelegenheit haben, wöchentliche Bewegungsprogramme - unter wissenschaftlicher Begleitung - zu starten. Gerade hat die offizielle Bewerbungsphase für die Förderprogramme begonnen. Deshalb fragten wir Thomas Meiser, den Geschäftsführer der Unfallkasse Saarland, zu den Aufgaben der UKS und seiner Motivation zum Einstieg in das neue Programm mit und für die Kids.

Was ist die Unfallkasse Saarland, wer sind ihre Mitglieder und welche Aufgaben hat sie?

Meiser: Die Unfallkasse Saarland ist eine Trägerin der gesetzlichen Unfallversicherung, deren Mitglieder das Saarland, die saarländischen Städte und Gemeinden, die kommunalen und staatlichen Betriebe, aber auch viele private Haushalte sind, die Personen beschäftigen.

Von unseren 400.000 Versicherten sind rund 200.000 Kinder in Kindergärten, Schüler oder Studenten.

Unsere Aufgabe ist es, Unfälle oder Erkrankungen in diesen Bildungseinrichtungen und Mitgliedsunternehmen zu verhindern und sonstigen Gesundheitsgefahren vorzubeugen. Dabei ist uns die Integration der Prävention in die betriebliche Organisation ein besonderes Anliegen.

Ihre Kasse wirbt mit der Aussage „Leistung aus einer Hand". Was ist darunter zu verstehen?

Meiser: Damit meinen wir die in der Sozialversicherung einmalige Situation, dass wir Prävention, medizinische, berufliche und soziale Rehabilitation  sowie Entschädigungsleistungen unseren Versicherten zugute kommen lassen. Wir betreuen unsere Kunden also über ihr gesamtes Berufs- und Schulleben hinweg und können unsere Leistungen punktgenau und maßgeschneidert anbieten.

Warum unterstützt die UKS das LSVS-Programm „Kids in Bewegung"?

Meiser: Bei diesem Projekt ist uns die Aufwertung von Bewegungsfrühförderung besonders wichtig, um damit einer Zunahme der bekannten motorischen Defizite schon bei Kleinkindern entgegenzuwirken. Hierbei sind die positiven Erfahrungen der ersten Projektjahre von „Kids in Bewegung"  Anlass für uns, die geplante saarlandweite Umsetzung dieses Projektes zu unterstützen. Wir erhoffen uns dadurch weniger Unfälle in saarländischen Kindergärten,  aber auch das Erlernen der Freude an der Bewegung  um im späteren Leben der Kinder davon Nutzen ziehen zu können. Unsere Versicherten von Kindesbeinen an bis ins  Alter , vom Kindergarten bis zur Rente, gesund und fit zu erhalten - das ist ein wesentliches  Anliegen der Arbeit der Unfallkasse Saarland.

Bitte finanziell und fachlich im Rahmen der Weiterbildungen erwähnen...

Meiser: Die UKS stellt einen Förderbetrag i.H.v. 9.000,00 EUR für das Jahr 2009 zur Verfügung, das sind rund 10 % der Gesamtkosten. Eine Diplom-Sportlehrerin der UKS  wird die Weiterbildungsmaßnahmen dieses Programms personell unterstützen, wobei organisatorische Abläufe und Inhalte noch besprochen werden.

Wo liegen Ihrer Ansicht nach die Unfallschwerpunkte in den Kindertagesstätten?

Meiser: In den letzten Jahren gab es eine Zunahme der Unfälle von Kindern in Tageseinrichtungen und zwar sowohl  in der absoluten Unfallhäufigkeit als  auch in der Unfallrate. Wir verzeichnen hier  im Saarland jährlich ca. knapp 2.000 angezeigte Unfälle von Kindern in Tageseinrichtungen. Schwerpunkte hierbei  sind naturgemäß die Aufenthaltsräume der Kinder sowie die Spielflächen im Freien. 2/3 dieser Unfälle sind auf den Betrieb in der Tageseinrichtung zurückzuführen, 1/3 etwa auf Spiel und Sport. Bei  einem Drittel der Unfälle waren Anstoßvorgänge und bei einem weiteren Drittel Hinfallvorgänge verletzungsbewirkend. Ganz auffallend ist aber, dass in 40 % aller Unfälle  der unfallauslösende Gegenstand das verletzte Kind selbst war. Dies spricht ganz deutlich dafür, dass motorische Defizite bei vielen Unfällen eine zumindest wesentliche Mitursache darstellen.

...und kann eine gut entwickelte Motorik Unfälle vermeiden helfen?

Meiser: Viele wissenschaftliche Studien belegen, dass das Vorschulalter eine besonders sensible Phase in der motorischen Entwicklung des Menschen ist. Bewegungsmangel in diesem Alter gilt als Risikofaktor  für das Auftreten gesundheitlicher Störungen im höheren Lebensalter. Es gilt als wissenschaftlich erwiesen, dass eine gut ausgebildete Motorik die Unfallgefahr bei Kindern senkt und als ein Baustein für einen zentralen Gesundheitsschutz für die Zukunft gilt. Deshalb ist es umso wichtiger, dass die Kinder in dieser goldenen Phase in der motorischen Entwicklung vielseitige Körper- und Bewegungserfahrungen sammeln können. Hierbei versprechen wir von der Unfallkasse Saarland uns vom Projekt „Kids in Bewegung" einen ganz wesentlichen Beitrag. Denn Freude an der Bewegung ist für eine im späteren Lebensalter erfolgende Sportsozialisation und ein bewegtes und gesundes Erwachsenenleben eine unverzichtbare Voraussetzung.

Was übernimmt die Kasse außerdem noch im Bereich der Schülerunfallversicherung?

Meiser: Hier  wären viele Dinge zu nennen, die wir im präventiven Bereich unternehmen. Ich will Ihnen 3 Schwerpunkte aufzeigen:

a) In etlichen Seminaren jährlich versuchen wir Unfallverhütung  und Sicherheitserziehung in Kindertagesstätten, in Schulen und Universitäten zu vermitteln. Wir schulen Sicherheitsbeauftragte, Erzieherinnen,  Lehrpersonal und sonstige im Arbeitsschutz  tätige Personen, um sie als Multiplikatoren auszubilden und ihnen Kenntnisse zu verschaffen, damit sie in Bildungseinrichtungen für ein sicheres Arbeiten sorgen können.

b)   Wir fördern massiv die Saargemeinschaftsinitiative „Verkehrssicherheit jetzt". Dieses Programm zur Verkehrsunfallprävention für junge Fahrerinnen und Fahrer im Saarland vermittelt durch ein von geschulten Polizeibeamten moderiertes Unterrichtsgespräch in der Schule und einen sich daran anschließenden Praxisteil auf dem Verkehrsübungsplatz Kenntnisse und Fähigkeiten, damit die jungen Fahrer von 18 - 24 Jahren ihr spezifisches Unfallrisiko, ihre eigene Verantwortung und die Konsequenzen von schwerwiegendem verkehrswidrigem Verhalten erlernen und damit eine Selbstüberprüfung der Einstellungen und Verhaltensweisen erzielt wird. Prävention ist Querschnittsaufgabe. Sie umfasst sowohl pädagogische, psychologische als auch juristische Aspekte. Wir hoffen mit diesem ganzheitlichen Ansatz dazu beizutragen, dass die Risikogruppe der jungen Fahrerinnen und Fahrer sich sicherer im Straßenverkehr bewegen kann.

c)  Wir versuchen schon von Kindesbeinen an nicht nur Unfällen sondern auch späteren Berufserkrankungen vorzubeugen. Der richtige Umgang mit der Haut beispielsweise will von klein auf gelernt sein. Welche Besonderheiten beim Hautschutz der Kleinsten zu beachten sind, vermitteln wir im Rahmen von Fachseminaren „Hautschutz für Kinder" interessierten Erzieherinnen. Dieses Fachseminar ist vollgepackt mit praktischen Ideen, wie sich wirksamer Hautschutz auch unter Einbeziehung der Eltern im Kindergarten umsetzen lässt. Dazu verschicken wir an alle saarländischen Kindergärten zur Unterstützung bei der pädagogischen Vermittlung des Themas Hautschutz ein Buch „Upsi rettet den großen Wal", in dem die Kinder auf spannende und anschauliche Weise die vielfältigen Funktionen der Haut kennenlernen und wie man diese schützen muss, um sie schön und gesund zu erhalten.

Gerade wurde die Fördervereinbarung unterzeichnet. Könnten Sie sich eine langfristige Kooperation mit „Kids in Bewegung" vorstellen?

Meiser: Wir können uns eigentlich nur eine langfristige Kooperation mit „Kids in Bewegung vorstellen". Wirksame Prävention braucht einen langen Atem, weil sie in vielen Fällen auf Verhaltensänderung fußt, welche in der Regel nicht durch einmalige oder kurzfristige Aktionen zu erreichen ist. Deshalb haben wir vereinbart, dass unsere jetzt beginnende Partnerschaft zunächst auf 12 Monate begrenzt ist, die Fortführung der Partnerschaft aber jeweils im März des laufenden Kindergartenjahrs für das nächstfolgende Kindergartenjahr abgesprochen wird.

Was ist Ihr Rat: Wie kann man Bewegung noch stärker in den Tagesablauf unserer Kinder und Jugendlichen integrieren?

Meiser: Ein guter Tipp: Kinder und Jugendliche sollten, wann immer es möglich ist, zu Fuß zu ihren Bildungseinrichtungen laufen und nicht mit dem Auto der Eltern gebracht werden.

Darüber hinaus ist natürlich das stärkere Einbringen von Sport- oder Bewegungsstunden und     -angeboten in unseren Bildungseinrichtungen wünschenswert. Die Reduktion der Sportstunden in unseren Schulen von 3 auf 2 Stunden wöchentlich war aus unserer Sicht eine unheilvolle Entscheidung. Letztlich müssen junge Menschen lernen, dass Bewegung und Sport Freude bringt und für ein gesundes Leben unabdingbar ist.

Sicher sind Sie auch selbst sportlich aktiv...

Meiser: In der Tat, ich bin persönlich ein sehr sportbegeisterter Mensch. Ich treibe seit dem Kindesalter sehr intensiv Sport in verschiedenen Vereinen, spiele Fußball und Tennis, laufe Ski, fahre Fahrrad und jogge gern. Für mich als „überwiegenden Schreibtischtäter" ist das Sporttreiben ein unverzichtbarer Bestandteil meiner Lebensqualität.

Weitere Informationen zum Projekt "Kindergarten-Kids in Bewegung" finden Sie hier .

Letzte Aktualisierung ( Mittwoch, 21. Oktober 2009 )
 
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